Hagen, wann hast du beschlossen, Bücher zu schreiben?

Als Kind. Das war – glaube ich – nachdem ich Kapitän werden wollte, und bevor ich dann auf den dämlichen Gedanken verfallen bin, Jura zu studieren. Ich hatte vor, „Die Abenteuer von Mümmel dem Superhasen“ zu schreiben. Heute bin ich allerdings nicht mehr völlig überzeugt von der Story …

Und dann?

Habe ich in meiner Jugend ein paar Buchanfänge zu Papier gebracht, auf der alten Schreibmaschine meiner Eltern: Einen mit Römern in Köln, einen mit Piraten, einen für ein Fantasy-Buch. Über die ersten paar Seiten bin ich allerdings nie hinausgekommen. Dafür habe ich aber in den späten Achtzigern mit Tischrollenspiel und in den frühen Neunzigern mit LARP angefangen. Und da hat sich mein Spaß am Storytelling wieder so richtig gemeldet.

Das heißt, du hast Spielrunden geleitet, LARP-Conventions organisiert und Plots geschrieben?

Eher selten. Ich habe immer am liebsten selbst gespielt und die Geschichten so aus erster Hand „erlebt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Und wenn ich gerade nicht gespielt habe, habe mir Geschichten ausgedacht, nur so für mich. Am liebsten in den paar wenigen Jura-Lesungen, die ich nicht geschwänzt habe.

War das mit Jura und dir wirklich so … problematisch?

Es hat einfach nicht gepasst. Und ich habe mir auch echt nicht viel Mühe gegeben, es passend zu machen. Heute kann ich das ja zugeben, weil mein Vater inzwischen weiß, dass seine finanzielle Unterstützung auf ganz andere Art, als er damals dachte, in meine Berufsausbildung geflossen ist.

Wie meinst du das jetzt?

Naja, das LARP war schon eine hervorragende Ausbildung zum Storyteller.

Also hast du irgendwann dein Jura-Studium geschmissen und bist Autor geworden.

Nicht direkt. Vorher gab es noch einen Polizeitest, den ich wegen zu schlechter Rechtschreibung verpatzt habe. Lustig, oder? Und sehr freundlich vom Schicksal. Heute bin ich mir nämlich sicher, dass das mit mir und der Polizei auch nicht gepasst hätte.

Und dann bist du Autor geworden?

Immer noch nicht. Ich habe auf das Studienfach Geschichte umgesattelt. Viel besser als Jura! Aber dass ich nicht zum Lehrer oder gar zum Wissenschaftler tauge, habe ich recht schnell gemerkt. Ich fand Geschichte einfach wegen der vielen Geschichten spannend, die das Leben geschrieben hat, und die man dort nachlesen konnte. Und dann kam die große Angst: Was soll ich nach dem Studium machen? Mit irgendwas muss ich doch mein Geld verdienen! Da bin ich dann endlich auf die naheliegendste Idee gekommen: Was macht mir Spaß? Und vor allem: Was kann ich eigentlich?

Geschichten ausdenken?

Genau. Und da beginnt auch die Geschichte von „Drei Tage bis Vollmond“. Mir war klar, dass ich nicht einfach behaupten konnte: „Ab jetzt bin ich Autor!“ Ich brauchte einen Beweis, vor allem für mich selbst. Also habe ich mir vorgenommen, einen Roman zu schreiben. Der Datei auf meinem Computer habe ich erst mal den Arbeitstitel „1. Versuch“ gegeben, weil dies nach den halbherzigen Ansätzen meiner Jugend der erste wirklich ernst gemeinte Versuch werden sollte, ein Buch auch wirklich zu Ende zu schreiben.

Und das hat geklappt.

Es hat vor allem ziemlich lange gedauert, weil ich ja auch erst mal mein Geschichtsstudium fertig machen musste. Und wenn ich ehrlich bin, wohl auch, weil ich nicht der fleißigste Mensch auf Erden bin. Aber Ende 2002 war die erste Version fertig. Und ich stolz wie Bolle!

Dann hat das Manuskript aber lange in der Schublade gelegen …

Beziehungsweise auf meiner Festplatte. Nach ein paar herzlich erfolglosen Versuchen, den Roman Großverlagen anzubieten (die natürlich allesamt mit Standartabsagen endeten), habe ich mich erst mal ums Geldverdienen gekümmert.

Als Soap-Autor beim Fernsehen?

Ich habe mir das „Handbuch für Autoren“ von Uschtrin gekauft und da stand drin, dass man als Schreiberling am besten zum Fernsehen geht, wenn man davon leben will. Das leuchtete mir ein, und weil ich nach dem Studium keine finanzielle Unterstützung mehr von meinem Vater bekam, hatte ich am eigenen Leib erfahren, wie wenig romantisch es ist, „armer Poet“ zu sein. Also habe ich mich als Story-Trainee bei der Soap Opera „Verbotene Liebe“ beworben und hatte das Riesenglück, so tatsächlich einen Fuß in die Tür zu kriegen. Seitdem kann ich gut von meiner Arbeit fürs Fernsehen leben.

Und macht es auch Spaß?

Meistens schon. Man braucht allerdings ein dickes Fell, weil mit den eigenen Ideen oft nicht gerade sanft umgegangen wird. Geschichten sind da halt „Verbrauchsmaterial“ und es gibt sehr viele andere Autoren (für Daily Soaps schreiben locker zwanzig Autoren und mehr), sowie sonstige Entscheider, die alle eine Meinung dazu haben, wie es mit den Stories weitergehen soll – und vor allem: wie nicht. Dementsprechend muss man lernen, mit Kritik umzugehen. Aber das Arbeiten im Team macht schon viel Spaß. Und man kann sich den ganzen Tag lang Geschichten ausdenken. Es gibt also weiß Gott Schlechteres – beispielweise sich mit trockenen Gesetzestexten und anderer juristischer Fachliteratur zu beschäftigen …

Das scheint ja ein richtiges Trauma zu sein, mit dir und Jura.

Wenn ich mal ein ernstes Buch schreibe, arbeite ich das vielleicht auf.

Ist „Drei Tage bis Vollmond“ denn dein einziges Buch?

Es gibt da noch ein Kinderbuch in der Schublade. Und die Idee für einen zweiten Teil: „Drei Tage bis Neumond“. Und natürlich die bei mir obligatorischen Anfänge, so drei oder vier an der Zahl … Aber in den letzten Jahren hatte ich zwischen Arbeit und Familie leider viel zu wenig Zeit, mich mit meinen eigenen Geschichten zu beschäftigen. Ich hoffe, das ändert sich jetzt, wo die Kinder größer werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ich habe zu danken!